TANGO-DJ PETRA

Geboren wurde ich in Köln im Jahr 1969 – elf Jahre, nachdem in der Bundesrepublik Deutschland die letzten Schellackplatten gepresst wurden. Meine Eltern hatten eher ein Faible für die Beatles als für Schlager oder ähnlich "altmodischen Kram", so dass ich auch zunächst gar nicht mit Schellackplatten in Berührung kam.
Dennoch: Musik war für mich schon immer lebensnotwendig, gleich nach Essen, Trinken und Schlafen. Auch das Tanzen bereitete mir seit dem obligatorischen Pubertätstanzkurs im Alter von 14 Jahren viel Freude. Dann aber wurde Paartanz plötzlich uncool und ich hopste solo zu den verschiedensten Randgruppen-Musikstilen durch die entsprechenden Schuppen. Das wiederum erschien mir dann irgendwann um die Jahrtausendwende herum einfach nur öde. Mir war nach tänzerischer Kommunikation zumute, nicht jedoch nach Schrittezählerei und aufgesetztem Dauergrinsen – Standard- und Lateintanz schied also aus.

Ich fand einen riesigen Spaß am Salsatanzen, bevor dann im Jahr 2000 die große Liebe meines Lebens wie der Blitz einschlug: Tango Argentino! Zufällig sah ich im Fernsehen den Film "Tango Lesson" und die ersten Tangoklänge des Films trafen mich bis ins Mark: "Quejas de Bandoneón" von Anibal Troilo – die Seufzer des Bandoneons.
Diese Musik fesselte mich ungemein und verführte mich natürlich auch zum Tangotanzen. Ich tanzte nächtelang durch und häufte ganz nebenbei eine umfangreiche CD-Sammlung an.

Inzwischen bin ich auch als Tango-DJane tätig. Meine altehrwürdigen Schellackplatten bleiben dann allerdings zu Hause, denn die Schmuckstücke sind verdammt schwer und ich bin eine recht zarte Person. Trotzdem gehöre ich heutzutage wohl zu den Dinosauriern unter den DJs: Ich lege nicht mit dem Laptop auf, sondern jongliere mit CDs, dazu noch ganz klassisch arrangiert in Tandas mit Cortinas. Dennoch verstehe ich mich als Dienstleisterin – auf Wunsch des Veranstalters gibt es auch Neo- oder Non-Tango sparsam eingestreut, jedoch gilt auch hier die Maxime: Es muss exzellent tanzbar sein! Couchpotatoe-Chillout-Plätscher-Schmuse-Schnarch-Elektro-Tango mag ja mal ganz nett sein – wenn man gerade zu Hause gemütlich auf dem Sofa liegt...
Also: Mein Herz gehört ganz klar dem wunderbaren, vielseitigen Tango der Epoca de Oro, der goldenen Vierziger. Aus dieser Zeit stammt übrigens auch die Mehrzahl der Schellackplatten, aus denen meine Uhren entstehen.
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